Elementarwerk Tab. 80

Bilddokumente

23348

Rarasammlung, Historische Sammlungen der Universitäts-Bibliothek

Nh 67690

Tafel LXXX aus der "Kupfersammlung zu J.B. Basedows Elementarwerk": "Historische Vorstellungen. Fortsetzung".
Oben links: "Ein Moses will, als ein Mesias, die Juden aus Creta durchs Meer nach dem gelobten Lande führen, die aber zum Teil in den Fluten unkommen, zum Teil von Fischern wieder aufgefangen werden." Oben rechts: "Moses Mendelssohn im Bildnisse, nach der Natur gezeichnet." Unten links: "Ein Aufruhr der Christen gegen die Juden." Unten rechts: "Einige von Soldaten über einen Wall begleitete Juden."
Die Tafel vergegenwärtigt Persönlichkeiten bzw. Begebeneheiten der Geschichte des Judentums in der Diaspora. Das obere Bildfeld links zeigt den Ausgang eines religösen Betrugs: Moses von Kreta, der sich für eine Inkarnation des biblischen Moses und als Messias ausgab, trat im 5. Jahrhundert in Kreta auf, scharte Anhänger um sich, denen er versprach, sie durch ein gespaltetes Mittelmeer hindurch, auf trockenem Boden, nach Palästina zu bringen. Seine in die Irre geführten Anhänger stürzten sich ins Meer und ertranken, andere wurden gerettet. (Die Begebenheit soll sich 448 n. Chr. zugertragen haben und wird von dem Kirchenhistoriker Soctrates Scholasticus berichtet). Zum nächsten Bildfeld oben rechts überleitend kommentiert Basedow: "Doch von Zeit zu Zeit sind unter dieser Nation auch vernünftige, rechtschaffene und sehr gelehrte Männer bekannt geworden" wie der in runder Kartusche als Brustbild im Profil nach links gezeigte Moses Mendelssohn, "dessen philosophische und kritische Schriften von Juden und Christen aller Sekten mit gleich großem Beifalle gelesen werden". Basedow stellt sich kritisch zu dem "alten Nationalhass zwischen Christen und Juden", der "zum Leidwesen der Menschenfreunde bis diese Stunde dauert", und referiert über die rechtliche und gesellschaftliche Ungleichstellung der Juden in der christlichen Gesellschaft. Das Bildfeld unten links zeigt eine Synagoge "in einer deutschen Reichsstadt in dem gegenwärtigen Menschenalter". Sie wurde so gebaut, dass sie sich von Wohnhäusern unterscheidet, wodurch ein "Aufruhr des Pöbels" entstand, "der bekanntermaßen fast allemal verursacht wird durch harte öffentliche Reden solcher Männer, die alsdann auch eines pöbelmäßigen Verhaltens schuldig sind". Die im Bildfeld unten rechts dargestellte Begleitung von Juden durch Schildwachen "geschieht an Orten, wo [...] es ihnen nicht erlaubt ist, die Nachtluft einzuatmen". Solche und andere Repressionen sind "Zeichen der Unwissenheit und der üblen Erziehung"; die Jugend muss darüber unterrichtet sein, damit sie in Zukunft "vor einer solchen Verwunderung bewahrt" bleibe.
Legende von C.H. Wolke in: Fritzsch 1909, Bd. 3, S. 31; Beschreibung: Bd. 2, S. 233-234 (Siebtes Buch: Die Elemente der Geschichtskunde)

Elementarwerk Tab. 80
© Humboldt-Universität zu Berlin, Universitätsbibliothek

Historische Vorstellungen

1774

Peter Haas (Stecher)

a) 80 [hs. mit Bleistift] b) Tab. LXXX. [gedr.] c) P. Haas sculpsit Coppenhagen 1774 [gedr.] d) Universitäts-Bibliothek Berlin [Stempel]

a) Kartonrand o.r. b) Bildrand u.M. c) Bildrand u.r. d) Rückseite

Karton 19,8cm x 25,5cm; Platte 18,3cm x 23,4cm; Bild 17cm x 22,4cm