Fotografie, Höhlenzikade

Bilddokument

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O.pol 19-4153/ ph 5

Gesänge, oder richtiger: akustische Signale spielen im Leben vieler Insekten eine große Rolle. Als wichtiger Bestandteil des Paarungsverhaltens sorgen sie dafür, dass Männchen und Weibchen einer bestimmten Art zueinander finden, sich paaren und Nachwuchs erzeugen. Jede Art hat deshalb eine ganz spezielle ›Erkennungsmelodie‹. Die Produktion von Schallsignalen, d.h. Signalen, die über die Luft übertragen werden, ist energieaufwändig. Insekten, die nur wenige Millimeter groß werden, bedienen sich deshalb einer völlig anderen Methode: Sie produzieren keine Schallwellen, sondern niedrigfrequente Vibrationen, die über die Unterlage, auf der sich das Insekt befindet, übertragen werden. Eine spezielle Aufnahme- und Verstärkertechnik macht es möglich, dass auch wir diesen Insekten bei ihren Balzgesängen zuhören können.
Auch sehr nah verwandte Arten unterscheiden sich in ihrer Erkennungsmelodie. Ein eindrucksvolles Beispiel liefert eine Gruppe völlig blinder und flugunfähiger Kleinzikaden, die ausschließlich in der vollkommenen Dunkelheit von Lavahöhlen auf Hawaii lebt und sich dort von den Säften in die Höhle hängender Wurzeln oberirdischer Pflanzen ernährt. Populationen von Oliarus polyphemus aus unterschiedlichen Lavahöhlen auf Hawaii Island, obwohl äußerlich kaum unterscheidbar, haben deutlich verschiedene Signalmuster. Dies bedeutet, dass es zwischen Tieren aus unterschiedlichen Populationen nicht zur Paarung kommt: Es handelt sich also jeweils um selbstständige Arten. Da Hawaii Island eine geologisch sehr junge Insel ist ( weniger als 0,5 Millionen Jahre alt), muss die unterirdische Artenbildung sehr rasch abgelaufen sein. Es wird vermutet, dass dabei der dort anhaltende, aktive Vulkanismus eine entscheidende Rolle spielt: Lebensraum für Höhlenzikaden wird ständig neu geschaffen (geeignete Nährpflanzen besiedeln neue Lavaströme) und wieder zerstört (aktive Lavaströme begraben Vegetationsstreifen, wobei ober- und unterirdische Anteile der Pflanzen absterben). Geographische Separation und kleine Populationsgrößen sind wichtige Faktoren bei der Artenbildung in extrem kurzen Zeitspannen - es ist denkbar, dass neue Arten in weniger als zweihundert Jahren entstehen. HHo

Höhlenzikade, Oliaurs polyhemus