Die Ausstellung "Theatrum Naturae et Artis"

/media2/upload/theatrum.gif

Die Humboldt-Universität präsentierte im Jahre 2001 in einer Ausstellung im Gropiusbau/Berlin zum ersten Mal das gesamte Spektrum ihrer Sammlungen. Wir dokumentieren hier die Texte der damaligen Webpräsenz und verlinken in einem virtuellen Rundgang auf ausgewählte Objekte aus der Datenbank "Kabinette des Wissens":

/media2/upload/3.gif

Schätze in der Universität

In der Humboldt-Universität hat sich ein einzigartiger Schatz von Sammlungen erhalten. Über 100 Einzelsammlungen aus allen Fachrichtungen, die teilweise bis in das sechzehnte Jahrhundert zurückgehen, spiegeln die besondere Bedeutung Berlins als der "Stadt des Wissens" in der Entwicklung der modernen Wissenschaften.

Marmorgötter im Keller

Und dennoch ist vieles davon bis heute so gut wie unbekannt. Weit verstreut und teilweise vergessen, waren große Teile der Sammlungen bisher kaum zugänglich. Wer kennt schon das Lautarchiv oder erinnert sich noch an das lange verschwundene Museum für Meereskunde? Andere Sammlungen sind in großen Museen, wie dem Naturkundemuseum oder dem heute zur Freien Universität gehörigen Botanischen Garten, untergebracht. Die Ausstellung wird zum ersten Mal das ganze Spektrum der Sammlungen präsentieren und viele versunkene Schätze wieder ans Licht bringen.

Ein Wal als Wasserschlange

Etwa 1.200 spektakuläre und kuriose, geschichtlich bedeutende und visuell bestechende Zeugnisse aus allen Bereichen der Wissenschaft erzählen von wichtigen Entwicklungen, von großen Erfolgen und von monumentalen Irrtümern in der Kulturgeschichte des Wissens: Sie reichen von den bizarren Präparaten aus dem Pathologischen Museum Rudolf Virchows bis zu einer Galerie von Porträtbüsten bedeutender Berliner Gelehrter, vom erschreckend originalgetreuen Wachsmodell einer Pestbeule bis zum Gipsabguß der Nike des Paionos und vom Gerippe eines Urwals, den der preußische König einstmals als "Wasserschlange" ankaufte, bis zum Skelett eines "Langen Kerls" aus der Riesengarde des "Soldatenkönigs" Friedrich Wilhelm I.

Rudolf Virchow in Troja

Die Geschichte der Wissenschaft ist geprägt von großen Persönlichkeiten. Kaum zu glauben, wer alles an der Berliner Universität gelehrt und geforscht hat. Bei genauerer Betrachtung ist zu erkennen, daß sich kaum einer auf ein enges Gebiet beschränkt hat, wie der Pathologe Rudolf Virchow, der neben seinem politischen Engagement Schliemanns Trojagrabungen persönlich unterstützte. Er und viele andere waren selbst große Sammler und haben so wichtige Zeugnisse ihrer vielfältigen Interessen hinterlassen.

Botaniker und Dichter in einem

Naturwissenschaften, Medizin und Kunst - die einzelnen Disziplinen und Fächer spezialisieren sich immer weiter. Umso wichtiger ist es, sich daran zu erinnern, daß große Leistungen aus Symbiosen entstehen. Was ist das anatomische Bronzemodell zur Darstellung der menschlichen Muskeln ohne die künstlerische Hand, die es modelliert? Und sind die virtuosen Aquarellzeichnungen eines Wiedehopfes oder eines Grindwals aus dem Folioband "Theatrum naturae" nicht naturwissenschaftliche Dokumente? Wer weiß, daß der bekannte Dichter Adelbert von Chamisso von Beruf Botaniker und Kustos im Botanischen Garten war?

Theater der Natur und Kunst

Die unterschiedlichen Objekte aus den verschiedenen Bereichen lassen die Verbindungen zwischen den Disziplinen und Forschungsergebnissen wieder sichtbar werden. Gottfried Wilhelm Leibniz sprach in diesem Sinn schon um 1700 von einem "Theatrum naturae et artis". Er hatte eine Zusammenschau von Naturwissenschaften und Künsten im Auge, um diese beiden Fundamente der Kultur sichtbar werden zu lassen. Sein Anspruch ist heute aktueller denn je.

Weiter zum ersten Raum