Der Mensch in Wachs
Anatomische Modelle und klinische Moulagen
Wachs ist ein besonderer Stoff. Mit diesem Naturprodukt lässt sich der menschliche Körper hinsichtlich Form, Farbe und Textur äußerst realistisch nachbilden. Die Medizin entdeckte das Medium Wachs im 18. Jahrhundert und nutzte es in der Folgezeit als Aufklärungs-, Lehr- und Studienmittel. Zunächst ging es darum, den gesunden, normalen Menschen in der dritten Dimension zu bannen. Ab 1750 entstanden in Bologna und Florenz reich bestückte anatomische Wachsmodellsammlungen, die technische und thematische Impulse aus dem Bronzeguss, dem Wachseinbrennverfahren der enkaustischen Malerei sowie dem Totenmasken- und Votivwesen aufgriffen. Seit dem frühen 19. Jahrhundert trat neben die anatomische Wachsplastik das klinische Wachsbild. Als Abdruck (Moulage) gearbeitet, ist es darauf angelegt, Aspekte des kranken Körpers täuschend echt wiederzugeben - etwa dermatologische Außenansichten der menschlichen Körperhülle, die am häufigsten zur Darstellung kamen. Mit diesen individuellen Krankenporträts gerät allerdings auch die Person des historischen Patienten in den Blick.
