Lautarchiv

Musikwissenschaftliches Seminar

Das Lautarchiv verfügt über eine weltweit einzigartige akustische Sammlung, die nicht nur dem Phonetiker, Sprach- und Musikwissenschaftler, sondern auch dem Germanisten und Historiker aufschlussreiches Quellenmaterial bietet. Neben etwa 180 Wachswalzen und einigen Gelatineplatten beherbergt das Archiv 7 500 Schellackplatten, darunter 4 500 Originale und 3 000 Dubletten, die musikalische Erzeugnisse, Sprachen und Dialekte von über 230 Völkern als auch Stimmporträts berühmter Persönlichkeiten dokumentieren. Zum Bestand gehören weiterhin ca. 150 Tonbänder mit überwiegend Sprachstudien, vier Musikinstrumente und einige technische Geräte (Mikrophone, Phonographen u.a.) aus der Geschichte der Sprach- und Schallaufzeichnung sowie deren Analyse.

Am Kupfergraben 5

Doegen, Wilhelm (Namen A-Z)

1920-04-01

Nicht öffentlich

Nicht erschlossen. Als Nachschlagewerke existieren zur Zeit nur handschriftliche Aufnahmejornale in numerisch-chronologischer Reihenfolge.

Institut für Kultur- und Kunstwissenschaften (Institut)

Lautarchiv

Lautarchiv

Am Kupfergraben 5

Nicht erschlossen. Als Nachschlagewerke existieren zur Zeit nur handschriftliche Aufnahmejornale in numerisch-chronologischer Reihenfolge. Digitalisierung der Schellackplatten ist abgeschlossen.

1920-04-01

Verknüpfte Sammlungsobjekte:

Mit der Sammlung „Lautarchiv“ sind Documents 6753 Sammlungsobjekte verknüpft.

Ereignisse

1877 Erfindung

Thomas Alva Edison entwickelte den Phonographen, ein Gerät, das mittels Wachswalzen im sog. Tiefenschriftverfahren Schallereignisse aufzeichnen und wiedergeben konnte. Damit war zum ersten Mal die Möglichkeit gegeben, akustische Phänomene in einer reproduzierbaren Form zu fixieren.

1887 Erfindung

Erfindung des Grammophons durch Emile Berliner. Das Grammophon arbeitet mit Seitenschrift und ermöglicht die Aufnahme von Makrorillenplatten (Schellackplatten).

1889 Kampagne

Durch eine weltweit angelegte Kampagne zur Propagierung Edisons Erfindung fand der Phonograph rasche Verbreitung.

1890-03 Forschungsprojekt

Der amerikanische Anthropologe Jesse Walter Fewkes stellte mit einem Phonographen eine Serie von Sprach- und Gesangsaufnahmen der Passamoquoddi-Indianer her, wodurch die wissenschaftliche phonographische Feldforschung ihren Anfang nahm.

1892 Forschungsprojekt

In Europa wurde der ungarische Volkskundler Bela Vikar zum Pionier der Phonographie, als er begann, ungarische Dialekte und Volkslieder aufzunehmen.

1899 Gründung

Mit der Gründung des "Wiener Phonogrammarchivs" an der "Österreichischen Akademie der Wissenschaften" wurde das erste phonographische Schallarchiv der Welt ins Leben gerufen. Die Sammlungsschwerpunkte verteilten sich hier gleichermaßen auf Musik, Sprache und Stimmporträts. Ähnliche Institutionen wie z.B. in Paris, London, Berlin oder St. Petersburg sollten dem Wiener Beispiel bald folgen.

1900 Beginn

Die ersten Tondokumente für das wenig später errichtete "Berliner Phonogramm-Archiv" entstanden, als der Psychologe Carl Stumpf einen Auftritt thailändischer Hofmusiker, die in Berlin gastierten, mit Hilfe eines Edison-Phonographen aufzeichnete.

1901 Gründung

Andere Ziele als in Wien verfolgte Carl Stumpf mit der Gründung des "Berliner Phonogramm-Archivs", das zunächst als Universitätssammlung dem Psychologischen Institut der Universität angegliedert wurde. Von Anfang an stand die Musik mit Konzentration auf Musikerzeugnisse fremder Völker im Vordergrund der Sammeltätigkeit.

Zwischen 1901- 1952 Technik

Während man anderenorts längst Tonbandgeräte benutzte, wurde am Berliner Phonogramm-Archiv noch der Edison-Phonograph verwendet. Die sofortige Aufnahme- und Wiedergabemöglichkeit, der Vorteil, daß er keinen elektrischen Strom benötigte, leicht transportabel und einfach zu bedienen war, machte den Phonographen für die Feldforschung zum bevorzugten Aufnahmegerät. Die Grammophonmethode schied für den ethnologischen Bereich vor Ort wegen des zu hohen Gewichts der Aufzeichnungsmaschinen und der aufwendigen Technik aus.

Um 1904 Beginn

Der Gymnasiallehrer Wilhelm Doegen beschäftigte sich mit der grammoponischen Aufzeichnung des gesprochenen Wortes. Doegen arbeitete daran, die Lautschrift fremder Sprachen unter Einbeziehung von Tonaufnahmen verständlicher zu vermitteln. Sein Interesse galt der Schallplatte als phonetisches Lehrmittel zunächst im Englischunterricht.

1905 Leitung

Die Leitung des Phonogramm-Archivs wurde Erich Moritz von Hornbostel übertragen.

1907-12-31 Schenkung

Ludwig Darmstaedter schenkte die "Ludwig Darmstaedter Autographen Sammlung zur Geschichte der Wissenschaft" der Generalverwaltung der Königlichen Bibliothek in Berlin.

1909 Veröffentlichung

Herausgabe der mehrbändigen Reihe "Doegens Unterrichtshefte für die selbständige Erlernung fremder Sprachen mit Hilfe der Lautschrift und der Sprechmaschine". Ein Sprachkurs, der erstmals die Lautschrift und Lautplatte vereinte.

1910 Ausstellung

Päsentation Wilhelm Doegens "Lautplatten zum Zweck der Sprachforschung und Lehre" auf der Weltausstellung in Brüssel. Doegen wurde mit der Silbernen Medaille ausgezeichnet.

1912 Verbreitung

Etwa 1000 Schulen und einige Universitäten verwendeten nun die Lautplatten Doegens für den Sprachunterricht.

1914-02 Antrag

Wilhelm Doegen reichte seine "Vorschläge zur Einrichtung eines Königlichen Preußischen Phonetischen Instituts" bei dem Kultusministerium ein. Dieser Antrag bildete die Grundlage zur "Königlichen Preußichen Phonographischen Kommission" und umfasste folgende Komponenten: "1. Sprachen sämtlicher Völker der Erde; 2. Sämtliche deutsche Mundarten; 3. Musik und Gesang sämtlicher Völker der Erde; 4. Stimmen der großen Persönlichkeiten; 5. Verschiedenes." Auch wird hier bereits die Gliederung der 1920 institutionalisierten Lautabteilung angedeutet.

1915 Gründung

Gründung der "Königlichen Preußischen Phonographischen Kommission" unter der Leitung von Carl Stumpf und Wilhelm Doegen als geschäftsführenden Sekretär. Mehr als 30 namhafte deutsche Sprachwissenschaftler, Musikwissenschaftler und Anthropologen wurden Mitglieder der Kommission.

1915-12-29- 1918-12-19 Forschungsprojekt

Die Phonographische Kommission führte im geheimen Auftrag während des Ersten Weltkriegs in den deutschen Internierungslagern Sprach- und Musikaufnahmen durch mit dem Ziel, die etwa 250 Sprachen der Gefangenen sowie ihre traditionelle Musik nach methodischen Grundsätzen systematisch aufzuzeichnen und mit dazugehörigem Textmaterial zu bearbeiten. Dabei wurden 1651 grammophonische Studien (überwiegend Sprachdokumente und einige Musikaufnahmen) von Wilhelm Doegen und 1022 Wachswalzen (ausschließlich Musikaufnahmen) von dem Musikwissenschaftler Georg Schünemann angefertigt.

1917 Einrichtung

Ludwig Darmstaedter errichtete zusammen mit Wilhelm Doegen eine "Stimmen-Sammlung zur Autographen-Sammlung Darmstaedter" an der Preußischen Staatsbibliothek. Die Stimmensammlung umfasste zu der Zeit 41 Stimmporträts bekannter Persönlichkeiten.

1920 Auflösung

Offizielle Auflösung der Phonographischen Kommission.

1920-04-01 Gründung

Gründung des "Lautarchivs" durch Wilhelm Doegen. Auf Veranlassung Se. E. v. Harnacks wurde es als Lautabteilung der Preußischen Staatsbibliothek angegliedert. Grundstock bildeten die während des Ersten Weltkriegs in den Gefangenenlagern entstandenen grammophonischen Aufzeichnungen (die Wachswalzen mit den Musikaufnahmen gelangten in das Phonogramm-Archiv). Hinzu kamen eine Anzahl von Doegens Sprachunterrichtplatten und seine Platten der Stimmensammlung berühmter Persönlichkeiten.

Zwischen 1922- 1944 Projekt

Eigenständige Sammeltätigkeit der Lautabteilung. Zur Dokumentation jeder Aufnahme wurde ein Personalbogen mit Transkriptionen und gegebenenfalls Übersetzungen angelegt.

1931-10-01 Übernahme

Die Aufsicht über die Lautabteilung wurde der Friedrich-Wilhelms-Universität zugesprochen (Doegen wegen Verstoßes gegen die Haushaltsvorschriften zeitweilig entlassen).

1933 Leitung

Die Leitung der Lautabteilung übernahm der Afrikanist und Phonetiker Dietrich Westermann. Doegen führte keine weiteren Aufnahmen mehr durch.

1933-12 Vorschlag

Vorschlag Westermanns, die Lautabteilung als Lehr- und Forschungsstätte für Phonetik in ein "Institut für Lautforschung" an der Universität umzuwandeln.

1934-02-14 Umwandlung

Umwandlung der Lautabteilung in das "Institut für Lautforschung" und Eingliederung in die Universität durch Erlass des Ministers.

Zu Beginn des Wintersemesters 1935 Neugliederung

Das Institut für Lautforschung wurde in drei Bereiche unterteilt, denen jeweils ein Fachwissenschaftler vorstand: 1. eine linguistische Abteilung (Dietrich Westermann); 2. ein phonetisches Laboratorium (Franz Wethlo); 3. eine Musikabteilung (Fritz Bose). Zu dieser Zeit entstanden ein Katalog der Musikaufnahmen von Fritz Bose: "Lieder der Völker" sowie Veröffentlichungen zu Teilen der Sprachplatten.

1939- 1941 Forschungsprojekt

Während des Zweiten Weltkriegs wurden wiederum Tondokumentationen Kriegsgefangener in Deutschland als auch in Gefangenenlagern in Frankreich (dort insbesondere afrikanische Sprachaufnahmen) erstellt. Alle Matrizen der Lautplatten gingen im Krieg verloren, das Institut blieb jedoch bestehen.

1947 Leitung

Wilhelm Doegen wurde Leiter der "wissenschaftlichen Bibliothek" des Lautarchivs und erhielt einen Lehrstuhl für Anglistik an der Pädagogischen Hochschule in Berlin.

1947-01 Umbenennung

Das Institut für Lautforschung erhielt die Bezeichnung "Institut für vergleichende Phonetik", die Leitung blieb bei Dietrich Westermann.

Mit Beginn des Sommersemesters 1951 Umbenennung

Umbenennung des Instituts für vergleichende Phonetik in "Institut für Phonetik".

1962- 1969 Erweiterung

Bildung des "Instituts für Phonetik und Kommunikationswissenschaft", das Lautarchiv wurde mit übernommen.

1969 Umstrukturierung

Das Institut für Phonetik und Kommunikationswissenschaft verlor seine Eigenständigkeit und wurde als eine "Abteilung Phonetik/Sprechwissenschaft" in die Sektion Rehabilitationspädagogik und Kommunikationswissenschaft eingegliedert. Dem Lautarchiv wurde in dieser neuen Einrichtung kaum noch Aufmerksamkeit geschenkt. Die Plattensammlung hat in der Folgezeit durch mehrere Umzüge und Umstrukturierungen der wissenschaftlichen Institutionen verschiedene Standorte in der Universität erfahren.

1975 Umzug

Der Musikethnologe Jürgen Elsner bewirkte die Unterbringung der Lautsammlung in dem Institut für Musikwissenschaften der Humboldt-Universität, Am Kupfergraben 5.

1990 Übernahme

Dieter Mehnert übernahm in den neunziger Jahren die Betreuung der Sammlung.

1996 Veröffentlichung

Dieter Mehnert legte einen ersten zusammenfassenden Bericht über das Lautarchiv vor.

Seit 1997 Projekt

Das Lautarchiv wurde in das Sammlungsprojekt des Helmholtz-Zentrums für Kulturtechnik an der Humboldt-Universität aufgenommen und seither mit Mitteln der Volkswagenstiftung gefördert. Initiatoren dieser Unternehmung sind der Kunsthistoriker Horst Bredekamp und der Mathematiker Jochen Brüning.

1999-02-01 Erschließung

Systematische Erschließung der Archivbestände durch den Musikethnologen Jürgen Mahrenholz am Helmholtz-Zentrum für Kulturtechnik. Wegen Renovierungsarbeiten der Gebäude Am Kupfergraben 5 vorübergehend untergebracht in der Burgstraße 26.

2000-12-10- 2001-03-04 Ausstellung

Präsentation des Lautarchivs in der Ausstellung "Theater der Natur und Kunst" der Humboldt-Universität im Martin-Gropius-Bau Berlin.

2002-05-16 Umzug

Nach Renovierung des Gebäudes Am Kupfergraben 5, Umzug des Lautarchivs in Räume des Musikwissenschaftlichen Seminars